#TABinterview mit Carolin Demar

„München, Stuttgart – das wäre mir viel zu groß!“

Für das #TABinterview haben wir diesmal Carolin Demar getroffen. Die 24 Jährige studiert Elektrotechnik im Master an der TU Ilmenau Seit einigen Wochen gehört sie zu den 34 Studierenden der Uni, die mit dem Deutschlandstipendium gefördert werden. Ein Jahr lang erhält sie 300 Euro monatlich. Eine Hälfte der Summe trägt der Bund, die andere Hälfte private Stifter*innen wie in diesem Fall wir als Thüringer Aufbaubank. In einem gemütlichen Café in Ilmenau hat sie uns erzählt, wie man zu einem Stipendium kommt und was ihr besonders an Ilmenau gefällt.

#TABinterview mit Carolin Demar

Was hat Sie nach Ilmenau gezogen?

Ich komme aus der Nähe von Schweinfurt und habe dort meinen Bachelor an der FH gemacht. Den Master wollte ich woanders machen, am liebsten an einer Uni. Neben Erlangen kam da eigentlich nur Ilmenau in Frage. Die Uni hat einen guten Ruf und man hat einen riesigen Modulkatalog. Dadurch kann man sich seine Schwerpunkte selbst setzen, das finde ich gut. Und München oder Stuttgart, das wäre mir viel zu groß. Dort ist man eine unter vielen; in Ilmenau gibt es ein viel besseres Betreuungsverhältnis.

Wie kommt man auf Elektrotechnik? War Ihnen das in die Wiege gelegt?

In der 11. Klasse habe ich das erste Mal richtig überlegt, was ich eigentlich machen möchte. Bis dahin wollte ich immer Lehrerin für Mathematik oder werden. Das liegt sicher daran, dass man als Schülerin nicht viele andere Berufe so hautnah miterlebt (lacht). Aber dann habe ich mich für ein duales Studium entschieden. Viereinhalb Jahre lang habe ich erst eine Ausbildung zur Mechatronikerin gemacht und dann einen Bachelor in Elektro- und Informationstechnik.

Eigentlich wollte ich auch Mechatronik studieren, aber in der Ausbildung habe ich gemerkt, dass mir die mechanische Arbeit nicht so gefällt. Deshalb habe ich mich letztlich für Elektrotechnik mit Schwerpunkt Automatisierungstechnik entschieden.

Wie haben Sie vom Deutschlandstipendium erfahren?

Ich bin unabhängig von meinen Eltern, seit dem ich 20 bin. Im Verbundstudium verdient man sofort sein eigenes Geld. Auch beim Master wollte ich meinen Eltern nicht auf der Tasche liegen. So ein Stipendium ist eine super Möglichkeit, den Lebensunterhalt selbst zu bestreiten, ohne dass das Studium darunter leiden muss. Das Deutschlandstipendium gehört mit zu den bekanntesten, deshalb habe ich mich dafür beworben.

Was muss man machen, um Deutschlandstipendiatin zu werden?

Das ist eine gute Frage (lacht). Was genau der ausschlaggebende Punkt war, kann ich gar nicht sagen. Man muss auf jeden Fall zu den besten 30 Prozent seines Studiengangs gehören. Und ich nehme an, dass auch ehrenamtliche Tätigkeiten mit hinein spielen.

Was machen Sie ehrenamtlich?

Hier in Ilmenau gehöre ich zum Organisationsteam der Einführungswoche für Studienanfänger. Wir haben hier eine der größten "Erstiwochen" Deutschlands. Die geht sieben Tage lang: Da gibt es Vereinspräsentationen, eine Stadtralley, eine Kickelhahnwanderung, Kino, Gala-Night, Spieleabend und vieles mehr. Außerdem engagiere ich mich in einer Behindertenwohneinrichtung, um den Bewohnern dort den Alltag abwechslungsreicher zu gestalten.

Wie läuft der Bewerbungsprozess für das Deutschlandstipendium?

In Ilmenau ist es gar nicht so spektakulär und schwierig. Man bewirbt sich über das Onlineportal der Uni, lädt seine Sachen hoch. Das sind Lebenslauf, Motivationsschreiben, Notenübersicht. Dazu beantwortet man ein paar Fragen. Das war im Mai. Dann musste ich warten bis Oktober.

Für was nutzen Sie das Stipendium?

Ganz normal für den Lebensunterhalt. Es reicht natürlich nicht ganz. Nebenbei habe ich noch einen kleinen Job an der Uni. Das ist eine Art Tutorenprogramm für ausländische Studierende. Ich kümmere mich um die Studis aus Lateinamerika. Das heißt, ich helfe bei Behördensachen, organisiere gemeinsame Ausflüge, unterstütze bei der Bewerbung für Praktika und vieles mehr.

Haben Sie einen besonderen Bezug zu Lateinamerika?

Ich möchte im März nach Peru gehen und an der Universidad Católica del Perú in Lima ein Semester lang studieren. Da kam mir das mit dem Job sehr recht, weil ich mein Spanisch gleich verbessern kann (lacht).

Wie sind Sie auf Peru gekommen?

Durch die Uni, weil der Austausch mit Lima sehr eng und sehr gut ist. Da kommen die dortigen Professoren sogar zum Infoabend zu uns nach Ilmenau. Die Uni in Lima ist aber auch ziemlich bekannt in Lateinamerika.

Wie sind Ihre Zukunftspläne?

Ich kann mir vorstellen, eher in die Wirtschaft zu gehen, als an der Uni zu forschen.

Was werden Sie dann tun? Unter Automatisierungstechnik kann man sich als Laie wenig vorstellen.

Ich habe zum Beispiel für meine Bachelorarbeit die Regelung für die Heizung in einem Auto entworfen. Ziel war es, dass sich die eingestellten 22 Grad im Auto im Sommer wie im Winter gleichermaßen gut anfühlen. Ein weiteres einfaches Beispiel ist ein Tempomat.

Was ist Ihnen lieber: Großer Konzern, kleines Büro? Stadt oder Land? Hier oder wieder zurück?

Eher wieder zurück, Richtung Franken. Für den Einstieg ist ein großer Konzern einfacher, denke ich. Da gibt es verschiedene Traineeprogramme, die den Start leichter machen. Wobei - wenn sich auf Jobmessen kleinere Betriebe vorstellen, ist das auch interessant. Man kann sich dort individueller ausleben und viele Dinge ausprobieren.

Glauben Sie, dass es mehr solche Programme zur Studienunterstützung geben sollte?

Ja, ich denke schon. Eigentlich ist dafür ja das BAföG da. Aber ich kenne in meinem Umkreis kaum jemanden, der das überhaupt bekommt. Die Eltern unterstützen einen, klar. Aber man will auch niemanden auf der Tasche liegen. Arbeiten muss man ja trotzdem in den Semesterferien. Aber es nimmt einem schon mal eine Last.

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch!


Hintergrund Deutschlandstipendium

Seit 2012 beteiligt sich die Thüringer Aufbaubank jährlich an den Deutschlandstipendien, die an den Thüringer Hochschulen vergeben werden. Bisher konnten 158 Studierende gefördert werden (Stand 17. Dezember 2019).