Unternehmensnachfolge am Beispiel der JHP Company

Wir haben die JHP-Company Schülerfirma des Johann Heinrich Pestalozzi Gymnasiums in Stadtroda für ein Gespräch auf der Ignition Gründermesse getroffen.

Pauline Klimmer: nachrückende Geschäftsführerin: 15 Jahre
Nick Hörschelmann: nachrückender Geschäftsführer: 15 Jahre

Was für eine Schülerfirma leitet ihr?
Pauline/Nick: Die JHP-Company verkauft oder vermietet Bilder, die bei uns an der Schule im Kunstunterricht oder in der Foto AG entstanden sind. Natürlich haben wir auch Arbeiten kreativer Schüler, die in deren Freizeit entstanden sind, in unserem Portfolio. Unsere Kunden sind Kanzleien, Arztpraxen oder auch Privatpersonen. Jeder, der kahle Wände zu Hause hat, die er schmücken möchte, kann bei uns fündig werden.

Was ist eure Aufgabe in der Firma?
Pauline/Nick: Wir sind nachrückende Geschäftsführer, das heißt, dass wir bald die Geschäftsleitung übernehmen werden. Die aktuellen Geschäftsführer machen gerade ihr Abitur und sind dann natürlich raus. Unsere Aufgaben sind Rechnungen schreiben, uns um die Buchhaltung zu kümmern und den Jahresbericht zu schreiben. Wir kontrollieren einfach, dass alles so läuft, wie es laufen muss.

Nick: Meine Aufgabe ist hauptsächlich, mich um das Lager und die Technik zu kümmern und Pauline zu vertreten.

JHP Company

Wie und warum kamt ihr zur JHP-Company?
Pauline: Als die Schülerfirma gegründet wurde, dachte ich direkt, dass klingt ziemlich cool, da will ich dabei sein. Also bin ich eingestiegen und mittlerweile bin ich schon 5 Jahre dabei. Die Firma hat eine ganz schöne Entwicklung durchgemacht und ich auch. Man lernt auf jeden Fall in einer Schülerfirma Verantwortung zu übernehmen, da man sich auch um die Anderen kümmern muss. Wenn mal bei einem etwas nicht passt oder eine Komponente nicht mitspielt, dann kann es sein, dass ein ganzer Auftrag nicht läuft.

Wie lief das denn am Anfang?
Pauline/Nick: 2013 kam die Idee auf und 2014 wurde die Schülerfirma gegründet. Am Anfang wurden wir sehr durch die "Deutsche Kinder- und Jungendstiftung" unterstützt. Sie haben die finanzielle Grundlage geschaffen und auch Workshops angeboten, in denen wir viel dazugelernt haben. Wir haben auch vom Förderverein der Schule und Ellipsis Unterstützung bekommen. Ellipsis ist ein Unternehmen, das bei der Gründung von Unternehmen Unterstützung leistet. Es gab Ratschläge, Tipps, Workshops zur Buchhaltung und auch finanzielle Unterstützung.

Und wie sieht es jetzt aus?
Pauline/Nick: Zurzeit haben wir 13 Mitarbeiter. Es gibt verschiedene Aufgaben und jeder übernimmt einen anderen Teil. Am Anfang hat jeder in Form eines Firmen-T-Shirts einen Anteil der Firma gekauft und damit eine Aufgabe übernommen. Alle haben die gleichen Rechte. Wenn es etwas zu entscheiden gibt, dann läuft das demokratisch, in Form einer Abstimmung und die Mehrheit gewinnt. Auch unsere betreuende Lehrerin, Frau Lehmann, hat nur eine ganz normale Stimme. Die Schule an sich gibt uns überhaupt keine Vorgaben, wir entscheiden alles alleine.

Was passiert mit den Gewinnen, die ihr erwirtschaftet?
Damit wollen wir irgendwann unsere Schule unterstützen. Uns ist ein gutes Lernklima an der Schule sehr wichtig. Wir selbst bekommen kein Gehalt. Da wir gerade noch in der Anfangsphase stecken, fließen die Gewinne derzeit noch komplett in die Firma, um uns eine solide Grundlage zu schaffen.

Was wollt ihr später mal werden?
Pauline: Keine Ahnung. Ich würde gerne etwas Kreatives machen. Make-Up Artist oder so etwas käme in Frage. Ich kann mir auch vorstellen, mich später mal Selbständig zu machen und Geschäftsführerin zu werden. Aber erstmal schauen, was sich so ergibt.

Nick: Ich würde gerne Architektur studieren oder etwas in der Forstwirtschaft machen.
Auf jeden Fall erstmal studieren.

Hilft euch die Arbeit in der Schülerfirma bei der Berufswahl?
Pauline: Klar! Wir lernen wahnsinnig viele neue Unternehmen kennen, und man wird einfach lockerer, lernt vor anderen zu sprechen, und aus sich raus zu kommen.
Nick: Die Erfahrungen, die wir jetzt hier machen, sind später aber auf jeden Fall hilfreich. Da man jetzt einfach mal den ganzen Prozess einer Unternehmensgründung mitbekommt, hat man später sicherlich Vorteile. Man weiß einfach, wie das dann ablaufen soll.

JHP Company

Warum seid ihr in diesem Jahr auf der Gründermesse Ignition vertreten?
Nick: Wir haben hier einen Stand, um neue Leute auf uns aufmerksam zu machen, und neue Erfahrungen zu sammeln. Außerdem tut der Austausch mit den anderen Schülerfirmen sehr gut. Man trifft sich zwar selten, sieht sich aber immer wieder mal auf verschiedenen Veranstaltungen und tauscht sich dann aus. Kontakte knüpfen ist einfach wichtig.

Was möchtest du in deiner Zeit bei der JHP-Company erreichen?
Pauline: Ich möchte daran arbeiten, eine stabile Grundlage zu schaffen, was die Kunden und was die Struktur angeht. Nicht, dass man immer alle paar Jahre von null anfangen muss, wenn jemand von der Schule geht.

Habt ihr Tipps für andere Schüler, die eine Schülerfirma gründen wollen?
Man sollte auf jeden Fall beachten, dass man von Anfang an eine ordentliche Struktur drin hat. Es sollte ganz klar festgelegt sein, wer für was zuständig ist.
Und man sollte alle Verträge gut abheften, das ist für die Buchhaltung extrem wichtig.

Mehr Informationen zur Arbeit der Deutschen Kinder- und Jungendstiftung finden Sie unter:
www.schuelerfirmen-thueringen.de