Was nicht passt, wird passend gemacht!

Wie man mit einem einfachen Holzständerbau als Vorsatz ein kleines Haus vergrößern kann.

1-Holzhaus TAB-Magazin

Aus zwei kleinen Familien eine große zu machen, ist manchmal gar nicht so einfach. Denn große Familien brauchen vor allem eines: Platz. Und der ist in der Stadt nicht leicht zu finden. Also zogen Corinna und Alexander Schilling alle Möglichkeiten in Betracht: mieten, kaufen, bauen und umbauen. Doch trotzdem stellte sich die Suche als echte Herausforderung dar.

Mieten war als Erstes aus dem Rennen. Alle Objekte in passender Größe entpuppten sich als finanzielle Schwergewichte. „Wenn schon solche Summen, dann möchte ich die, bitteschön, in meine eigene Tasche bezahlen“, entschied Alexander Schilling. Auch die zum Kauf angebotenen Objekte passten alle nicht zu den Bedürfnissen der Familie.

Doch ein Aushang am Schwarzen Brett eines Supermarktes brachte die Wendung. Zufällig fiel Corinna der Aushang ins Auge, der mal ganz anders nach einem geeigneten Käufer für eine baufällige Doppelhaushälfte suchte. Mit dem Spruch:

Zitat Nachbarn

wollten die angrenzenden Nachbarn ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und bei der Suche nach einem geeigneten Käufer für das Objekt unterstützen. Corinna Schilling war sofort klar, dass damit nur sie gemeint sein könnten, also folgte der erste Besichtigungstermin.

Die erste Reaktion der Familie auf das Angebot war sehr zwiespältig. Auf der einen Seite verliebten sich alle sofort in den Ort. Hinter dem Haus direkt der Steigerwald, vor dem Haus die Gera und trotz des Gefühls, mitten in der Natur zu leben, steht das Haus nur einige Fahrradminuten von der Erfurter Stadtmitte entfernt. Perfekt für die naturverliebte Familie.

Familie Schilling

Auf der anderen Seite hatte Corinna nur im Kopf: „Oh mein Gott, das ist das hässlichste Haus, das ich jemals gesehen habe.“

Dass er mit etwas Fantasie und einem guten Architekten aus dem schmalen, verfallenen und für die Schillings eigentlich völlig ungeeigneten Haus etwas machen könnte, kristallisierte sich für Ale-xander Schilling aber schnell heraus. Zusammen mit dem Architekten Thomas Schmidt kamen sie auf die so einfache wie geniale Idee, vor das ursprüngliche Gebäude einen Holzständerbau zu stel-len. Ähnlich wie man eine Schrankwand vor eine echte Wand stellt.

Den restlichen fehlenden Wohnraum plante der Architekt in Boxen über den Weg zu hängen. Diese Idee war zwar etwas unkonventionell, brachte aber das gewünschte Ergebnis. Neben der Lösung des Platzproblems konnte mit dem Holzständerbau auch noch ein zweiter Wunsch der Familie um-gesetzt werden. Nämlich der Wunsch nach einer ökologischen Bauweise. Für Alexander Schilling stand von Anfang an fest, dass die Materialien, die beim Bau verwendet werden sollten, unbedingt natürlich und ökologisch vertretbar sein müssten. „Viel mehr Menschen sollten ökologisch bauen und Verantwortung dafür übernehmen, was sie hinterlassen.“

Zitat Alexander Schilling

Schnell wuchs bei allen Beteiligten die Begeisterung für das Projekt. Auch für Thomas Schmidt, den Architekten, war das Projekt ein besonderes und so wollte er kein Risiko eingehen und unbedingt an einem Modell sehen, was das Licht innen und außen mit dem Bau anstellen würde. Also baute er in einer Blitzaktion über Nacht das Haus in einem Maßstab von 1:50 nach und am nächsten Morgen, als die Sonne darauf schien, wussten alle, das wird unser perfektes Zuhause.

vor dem Umbau

Mittlerweile steht das Traumhaus, ganz ohne Zäune, bewusst offen gelassen, am Rande von Erfurt und die Schillings haben sich sehr gut eingelebt. Was die Nachbarschaft angeht, ist sich Corinna Schilling sicher: „Seine Nachbarn sieht man öfter als Teile der eigenen Familie, da sollte man schon ein gutes Verhältnis pflegen. Freundlichkeit kommt immer zurück, das ist unser Geheimnis als beste Nachbarn der Welt.“


Fakten zur Erfolgsgeschichte

Baujahr: ca. 1950
Sanierungsjahr: 2013
Ort: Erfurt
Förderprogramm:
Thüringer Familienbaudarlehen